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Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung vom 18.04.2021


Münster, den 18.04.2021

Sehr geehrte Redaktion „Süddeutsche Zeitung“,
sehr geehrter Herr Stremmel,

zunächst vielen Dank für Ihren Artikel „Auf Biegen und Brechen“ zu einigen Ungereimtheiten und intensiven Verflechtungen mit der Querdenkerszene und braunen Milieus und der Yoga- und Esoterikszene in diesem Lande.

Ich selbst fühle mich bemüßigt, zu diesem Thema Stellung zu beziehen, da ich lange Zeit als Lehrer für Marmayoga® und Gesundheitspädagoge (Aufbaustudium Gesundheitspädagogik der FH München für Sozialwesen) bzw. als Dozent im Rahmen dieses Aufbaustudiums mich beruflich mit den antiwissenschaftlichen und antivernunftorientierten Strukturen dieses Feldes (oder Marktes) oder besser der Grauzone, in der Yoga sich eingenistet hat, aber auch teilweise hineingedrängt wurde, auseinanderzusetzen hatte.

Die vielen und wichtigen Facetten des Themas, die in Ihrem Artikel angeklungen sind, könnten eine sehr detailreiche und differenzierte Antwort vertragen. Diese würde aber den Rahmen eines simplen Leserbriefes sprengen.

Die breite Rezeption des Yoga setzte in Europa im ausgehenden 19ten Jahrhundert ein unter der Federführung der englischen theosophische Society. Hier sind Namen wie Blavatsky, Leadbeater, Bailey u.a. zu nennen, die aus dem Blickwinkel spiritistischer Weltmodelle Yoga zu vereinnahmen und zu erklären und in westliche Lebenswelten zu verfrachten versuchten. Was allein dieser Transfer für Blüten getrieben hat, wäre eine eigene soziologisch-ethnologische Analyse wert. Die Schriften der genannten Autoren, die teilweise offen rassistische und antisemitische Positionen vertraten, liefern immer noch den strukturellen Rahmen, in dem Yoga hierzulande beworben und unterrichtet wird. Da die Geschichte und Entwicklung des Berufsverbandes Deutscher Yogalehrer sehr eng mit der Theosophie und diesem esoterisch-rassistischen Blickwinkel verknüpft ist, haftet jedweder kritischen Auseinandersetzung mit Yoga immer diese irrationale Mode an. Leider gibt es keine unabhängige Organisation, die eine genaue Überprüfung von Lehrplänen und Ausbildungsgüte der vielen Yogaschulen des Landes nach einheitlichen und transparenten Spielregeln kontrolliert. Auch die dazu ins Leben gerufene private Organisation der ZPP (Zentrale Prüfstelle Prävention), die sich auf die Leitbilder des BDY beruft, geht leider diesen Irrweg in der Yogarezeption mit und scheint hier nur den Geldfluss von den Krankenkassen zu den einzelnen Anbietern an nicht offengelegten Prinzipien zu orientieren. Eine Offenlegung und Sorge für wissenschaftliche Überprüfbarkeit und Validität ist uns bisher hier eben nicht transparent geworden und auch nicht gewährt worden, was den Verdacht auf Lobbyarbeit zumindest aufkommen lässt. D.H, die Krankenkassen selbst gewähren keine unabhängige Überprüfbarkeit dessen, was unter dem Label Yoga verkauft wird.

Dabei lassen sich die Yogatraditionen, bereinigt vom ideologischen Zopf hinduistischer, brahmanischer und anderer weltanschaulich eher synkretistischer Weltmodelle auf wissenschaftlich-naturwissenschaftlicher Grundlage darstellen und als rasterunabhängige Techniken der Selbststeuerung und Selbstoptimierung sehr präzise und vernunftorientiert vermitteln ganz ohne Rückgriff auf Ideologien gleich welcher Art. Sie müssen sogar so vermittelt werden, da sonst im grauen Markt der Lebenshilfe sehr viel sehr krude Mischungen synkretistischer quasireligiöser Modelle entstehen bzw. bereits entstanden sind. Ohne staatliche Regelung sowohl des Begriffsinhaltes wie auch einer Ausbildungsordnung, die hier Klarheit schafft, wird diesem schrecklichen Treiben kaum Einhalt geboten werden können.

In einer ehrwürdigen Wissenstradition wie z.B. der Physik kommt nur sehr am Rande eine ideologisch besetzte Diskussion um Politik, Werteorientierung, usw. auf, da es einen klar abgesteckten Rahmen dessen gibt, was Physik ist und zu sein hat. Auf ein ähnliches Niveau gehört die sachlich-wissenschaftsbasierte Aufarbeitung dessen, was Yoga ist und zu sein hat mit ebensolchem Recht. Leider steht die Maschinerie der Gelderzeugung und der Marketingstrategien auch seitens der Krankenkassen zu sehr im Vordergrund. Anmerken möchte ich noch, dass der Gründer des Instituts für Gesundheitspädagogik und Entwickler des Aufbaustudiums Gesundheitspädagogik, Herr Prof. Dr. Rocque Lobo, seine gesamte Forschungstätigkeit in die Arbeit gesteckt hat, Techniken der Selbstfindung aus dem indischen Hathayoga als Marmayoga® in das hiesige Bildungssystem zu transferieren, ohne in den Fallstricken interkultureller Projektionen sich zu verlaufen. Das staatlich anerkannte Aufbaustudium der Gesundheitspädagogik an der FH München, Fachbereich Sozialwesen, war ein Ausdruck dieser Tätigkeit und hat einen wissenschaftlich abgesteckten Raum für diesen Transfer und alle damit zusammenhängenden Fragen geschaffen.

Mir wäre es ein Anliegen, den von Ihnen angestoßenen kritischen Blick auf diese gesamte Grauzone zu vertiefen und zur Lichtung des Nebels beizutragen.

Mit freundlichen Grüßen
Victor Ballion
Gesundheitspädagoge (FH)
Zweiter Vorsitzender des Fördervereins für Yoga und Ayurveda e.V. München

Victor Ballion


Start des staatlich anerkannten Fernstudienlehrgangs Integriertes Pychosomatisches Gesundheitstraining/IPSG auf Basis von Yoga und Ayurveda und Marma-Yoga®

Wie im Frühjahr/Sommer 2020 angekündigt, ist es in der Zweigstelle Münster/Hannover gelungen, eine kompakte Ausbildungsgruppe zusammenzubringen. Wir konnten im Oktober 2020 noch im Präsenzphasenunterricht beginnen. Danach allerdings standen wir, wie so viele andere, vor dem coronabedingten Problem, keine Präsenzphasen mehr abhalten zu können. Um diese Lücke zu schließen, bieten wir eine Online Lernhilfe zur Erarbeitung des häuslichen Übens an, und zwar als zusätzliches Angebot zu den aufgeschobenen Präsenzphasen. Wir treffen uns daher in monatlichem Abstand in einer Art Videokonferenz über ein leicht zu handhabendes Onlineprogramm. Hier bearbeiten wir Hausaufgaben, und den sehr ergiebigen Videokurs, den Professor Lobo Anfang der 80er Jahre entwickelt und ausgestrahlt hat. Nach anfänglicher Skepsis von uns beiden Dozenten (Matthias Dommnich und Victor Ballion) müssen wir beide zugestehen, dass mit einiger Kreativität hier eine adäquate Zusatzversorgung der Teilnehmerinnen mit häuslichen Lernhilfen sehr gut möglich ist. Von großer Hilfe ist der erwähnte, vorbildliche und sehr genial kommentierte Videolehrgang, der ja im Lehrmaterial des IPSG Lehrgangs schon immer eine große Rolle gespielt hat. Inhaltlich bemühen wir beide (Matthias Dommnich und Victor Ballion) uns, dem Anspruch an eine kompakte und umfassende Ausbildung, die sowohl einigen Entwicklungsschritten wie auch der neuesten Fassung des Arbeitsprojektes Marmayoga® gerecht zu werden. Genau daher halten wir die von Prof. Lobo geforderte Benennung der Methodik als Marmayoga® für zwingend notwendig, um deutlich zu machen, dass wir uns als Dozententeam an diese zukunftsweisende Vorgabe der zu lehrenden Methodik halten wollen. In diesem Sinne hoffen wir baldmöglichst mit der Weitergabe des Wissens in einem ordentlichen Präsenzunterricht starten zu können.

Matthias Dommnich
Victor Ballion
Dozententeam Zweigstelle Münster/Göttingen

Ausführliche Informationen/Curriculum und Anmeldung zum aktuell laufenden Weiterbildungslehrgang in Münster/Hannover/Göttigen im modulären Angebot:

ute.pannek@htp-tel.de
Tel.0511 - 3930 98

Ausbildungsziele
In dem Lehrgang lernen die TeilnehmerInnen sich in den eigenen innerkörperlichen Reaktionen und Reflexmustern in sozialen Belastungssituationen kennen.
In diesem Zusammenhang gewinnen sie ein methodisches und systematisches Verständnis möglicher physiologischer Reaktionsmuster.
Die TeilnehmerInnen bekommen ein Bewußtsein für ihre eigene Position im Gesundheitssystem und lernen, alternative Modelle des sozialen Verhaltens und der Schmerzverarbeitung einzusetzen.
Außerdem sollen Grundkenntnisse zum Verständnis von Mensch und Umwelt verstanden werden: Physiologie, Anatomie, Neurobiologie, Chronobiologie und Psychosomatik.
Marmas und Asanas können sich so im ganz persönlichen Lernprozess erschließen.

Berufliche Weiterbildung Marma-Massage©

Im täglichen Austausch mit unsere natürlichen, technischen und sozialen Umwelt laufen wir immer wieder Gefahr unser inneres Gleichgewicht zu verlieren.

Ziel der Marma-Massage ist es, mit gezielten Impulsen unsere Selbstregulation zu unterstützen und so unsere Balance zu erhalten oder wieder herzustellen.

Erlernt werden in 6 Wochenenden:

- die Analyse der aktuellen Lebenssituation ( mit Hilfe Ayurvedischer Begriffe )

- verschiedene Massageabläufe mit der Anatomie und Funktionsweise der eingebetteten Marmas

- Verwendung unterschiedlicher Öle

Nach einer praktischen Prüfung und einer schriftlichen Arbeit über einen selbstgewählten Massageablauf erfolgt die Vergabe der geschützten Bezeichnung:
Marma-Masseur©

Dozenten:
Agnes Bleser-Szukat und Wolfgang Harisch

Dozentin Agnes Bleser-SzukatDozent Wolfgang Harisch

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