MarmaYoga Grundlagen
 
#Historisches
Marma - die Geschichte eines Begriffes
#MarmaYoga heute
MarmaYoga im Interface "Mensch und Maschine"
oder
Die Brisanz von MarmaYoga in der heutigen Gesellschaft
Sind Sie direkt von einer Suchmaschine wie z.B. GOOGLE auf diese Seite gekommen und wollen
die dazugehörigen Seiten unseres Webportals sehen? - Dann klicken Sie bitte auf den untenstehenden Link/Button

Home-Button  Zur Homepage und Gesamt-Webportal
.

Historisches
Das Wort Marma kommt von der der Sanskrit-Wurzel Mr, was soviel bedeutet wie Töten. Mrtyu heißt der Tod und Marma ist das Objekt der Handlung des Tötens. D.h. das, worauf die Handlung des Tötens zielt, ist das Marma. Insofern ist ein Marma eine vitale Stelle.
Die Marmas des menschlichen Körpers werden daher mit allen erdenklichen, seelisch-körperlichen Schutzhaltungen umgeben, damit die "tödlichen Pfeile" eines Feindes sie nicht treffen können.
Der Vergleich mit dem tödlichen Pfeil wurde schon in der altindischen Medizin verwendet. Suschruta, der in den ersten Jahrhunderten vor Christus die Lehre von den Marmas in seinem Schalya-Tantra festhielt, nannte sein Traktat nach dem Pfeil Schalya. Dieses Wort Schalya wird heute mit "Chierurgie" wiedergegeben, bedeutete aber ursprünglich "die Lehre vom Pfeil".
Kernstück dieser Lehre war das Buch über die Marmas. Schon die Ärzte vor Suschruta schienen stark mit dem Problem des Krieges konfrontiert gewesen zu sein. Kriegsverletzungen zu heilen, war die Herausforderung der damaligen Zeit. Die Erfahrungen zu sammeln, zu kategorisieren und zu systematisieren, bedeutete nicht nur, auf gut Glück zu heilen, sondern methodisch und zielgerichtet auch dort vorzugehen, wo meist nur wenig Zeit im Kampf um das Leben eines Verwundeten zur Verfügung stand.
In der damaligen Zeit war es die geniale Leistung Suschrutas, die gesammelten Erfahrungen nach einem System des Ausfalls körperlicher Funktionen und Degenerationserscheinungen zu ordnen, die im Zusammenhang mit einer Wunde eintraten.
Sicherlich sind diesen Klassifizierungen jahrhundertelange Beobachtungen von Kriegern vorausgegagen, die nach einer Verletzung den Verlust ihrer Beweglichkeit beklagten, ihre Ausdauer beeinträchtigt sahen oder ihre Geschicklichkeit und Koordinationsfähigkeit nicht mehr im Griff hatten. Es war dennoch die bedeutende Leistung Suschrutas, die verschiedensten Meinungen, die zu dem Thema Marmas schon vorhanden waren, in ein Gesamtsystem zu koordinieren. Viele von diesen Meinungen hat er aufgenommen und gegeneinander aufgewogen.
Nicht weniger genial war die Übernahme der Marma-Lehre bei der Beobachtung des gesunden Körpers. Aus der konsequenten Überlegung, dass die Marmas die Zielscheibe der Angriffe des Feindes sein könnten, entwickelte man ein System der Verteidigung dieser Punkte, das alle erdenklichen Bewegungen des Körpers beinhaltete.
Die Übertragung von Bewegungen des Trainings für den Kampf und zur Vorbereitung auf den Kriegsschauplatz in ein System, sowohl der Beobachtung eigener Ängste, Furcht, Zorn und Launen, als auch des Trainings der Reflexe des Körpers mit dem Ziel der Befreiung der Angst vor "tödlichen Pfeilen" verdanken wir der philosophischen Einstellung einiger bedeutender Männer der damaligen Zeit. Es sind jene "Meister des Yoga" gemeint, die uns Texte wie die Bhagavad-Gita hinterließen. In dieser Tradition begegnen wir im Mittelalter Namen wie Vaschischta, Goraksanatha, Swatmarama u.a. Diese Männer widmeten ihr Leben der Aufgabe herauszufinden, wie das Leiden in unserer Welt behoben werden könnte. Sie trugen zur Gründung jenes philosophischen Systems bei, das später Yoga genannt wurde. Für diese Männer war die Lehre von den Marmas geradezu der Schlüssel. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Verfeinerung und Präzisierung von Techniken, die zur Beobachtung des Körpers und des "inneren Lebens" entwickelt wurden, um diesen zentralen Punkt kreisen.
Aus den verschiedenen Marma-Kategorien haben wir die Kategorie der sogenannten Gelenk- oder Sandhi-Marmas für Sie herausgeholt, damit Sie über diese vitalen Stellen des Körpers den leichtesten Einstieg in die Materie finden.
Die Knöchel, die Knie, die Hüftgelenke, das Atlanto-Axial-Gelenk, die Ellenbogen und die Handgelenke sind die zwölf Sandhi-Marmas des Körpers. Es gibt acht weitere Sandhi-Marmas des Kopfes, mit denen wir uns jetzt nicht unmittelbar beschäftigen. Doch das Wort Sandhi bedarf einer Erklärung: Es bedeutet soviel wie Zusammen-Denken, Zusammen-Sehen, Zusammen-Erleben oder Erfahren. Von daher ist nicht jedes Gelenk des Körpers ein solch vitaler Punkt. Die hier herausgeholten Gelenke des Leibes bedeuten für die Gesamthaltung des Körpers viel mehr als die kleinen Gelenke der Zehen zum Beispiel, die im Falle einer Verletzung nicht unbedingt die gesamte Haltung des Körpers beeinträchtigen. Sandhi-Marmas sind für die Haltung des Körpers wie Angel- und Drehpunkte, von welchen ein Reihe von Funktionen, wie die Beweglichkeit, die Koordination, die Geschicklichkeit, die Ausdauer des Körpers abhängen.
Die Frage wird oft gestellt, warum die Schultergelenke keine Sandhi-Marmas sind. Betrachten wir den Punkt, an dem sich die Belastung der Arme bemerkbar macht, so ist es nicht das Schultergelenk, sondern das Atlanto-Axial-Gelenk. Dieses Gelenk ist die Verbindung zwischen dem Hals und dem Kopf.
Die Kampfhaltung z.B., in welcher der Kopf hochgehalten wird, bedeutet eine spezifische Stellung dieses Gelenkes samt aller hormonellen und nervlichen Umstellungen, die damit verbunden sind. Es bedeutet eine Veränderung der Atemfrequenz, der Atemtiefe, der Herzfrequenz, des Blutdrucks und eine Reihe von anderen Funktionen mehr.
Die Schutzhaltung dagegen ist mit einer anderen Stellung des Kopfes zum Hals und Brustkorb, mit einer anderen Reihe von Funktionen gekoppelt. Das Schultergelenk allein löst solche Funktionen nicht aus. Im Bereich des Schultergelenkes liegen jedoch andere wichtige Marma-Punkte, die zwar nicht zu der Sandhi-Gruppe gehören, durchaus aber in der Lange sind, ganz spezifische innere Abläufe des Körpers zu beeinträchtigen. Auf diese Punkte werden wir in einem anderen Zusammenhang zu sprechen kommen.
Hier jedoch sei bemerkt, dass die Sandhi-Marmas bei allen Aktivierungsvorgängen dem Körper das Gefühl für Geschmeidigkeit, Ausdauer, Leichtigkeit und Lebendigkeit vermitteln sollen. Ein Abflachen in diesen Funktionen, ein Verlust an Lebendigkeit und Leichtigkeit geht Hand in Hand mit einer Schwere in diesen Gelenken. Müdigkeit und Trockenheit und der Verlust von Elastizität in den Muskeln, die diese Gelenke bewegen, stellen sich ein.
In der Hauptsache sind diese Sandhi-Marmas des Körpers solche Marmas, die den Körper deformieren. Sie beeinträchtigen den Menschen in seiner Beweglichkeit, Ausdauer, Koordinationsfähigkeit, in seiner Flexibilität und Lebendigkeit.
Beobachten wir die Darstellung dieser Marmas auf der Tafel (Abb.4-16). Die als Marma-relevanten Gelenke befinden sich an verschiedenen Schnittpunkten der Federung des Körpers. Gehen wir vom Hüftgelenk aus, wo dies am deutlichsten zum Vorschein kommt. Die Bewegung, die von oben aus dem Bereich der Arme und des Schultergürtels kommt, wird aufgefangen und tangential abgeführt durch die runden Bewegungen des Beckens, die zugleich eine Art von Pufferzone gegen die Stoßkraft darstellen, die von den Beinen nach oben kommt. So stoßen die Beine nicht direkt in das Becken hinein, sondern indirekt durch das Kugelgelenk in die Hüfte. Vom Becken ausgehend beobachten wir die Federung, die durch die geschwungenen Linien in den Beinen dargestellt wird. Man kann sich dabei die Vorstellung von einer gewundenen, in sich gedrehten Metallplatte machen, um sich zu vergegenwärtigen, wie die Muskeln und die Knochen des Beines zusammenarbeiten.
Das Kniegelenk und das Knöchelgelenk geben Auskunft über den Zustand dieser Federung. Sind die Muskeln des Beines symmetrisch auf der Innen- wie auf der Außenseite, auf der Vorderseite- wie auf der Rückseite tätig, so federt das Bein rund wie eine Säule. Sind jedoch diese Muskeln asymmetrisch in ihrer Tätigkeit, so ist der Druck auf dem Knöchel stark und muß kompensiert werden durch die Tätigkeit der Fußsohle, bzw. durch andere Muskeln im Bereich des Rumpfes und schließlich auch im Schulterbereich und im Bereich des Kopfes.
Die Übungen, mit denen wir anfingen, dienten daher dem Zweck, die Muskeln der Beine zu einer Symmetrie zu verhelfen. Es versteht sich, dass Haltungen, die jahrelang eingeübt wurden, nicht durch einmaliges Training beseitigt werden können. Nur regelmäßiges, über längere Zeit anhaltendes und selbstbeobachtendes Training kann solche Asymmetrien beheben helfen.
4-16: Die Sandhi-Marmas des Körpers: Das Knöchel-, Knie-, und Hüftgelenk, das Handgelenk, der Ellenbogen und das Atlanto-Axial-Gelenk. Die Schlingen zeigen den Verlauf der Kräfte, die hauptsächlich von den Muskelzügen her auf diese Gelenke wirken.
(Entnommen aus dem Buch : Yoga- Elementarkurs Bewegen, von Rocque Lobo, Bd.1, 2.Auflage 1999 München, ISBN 3-928772-01-5, S.78-81)
weiter Seitenanfang zurück
.
MarmaYoga im Interface " Mensch und Maschine "
oder
Die Brisanz von MarmaYoga in der heutigen Gesellschaft
Seit Jahrzehnten werden in der Automobilindustrie hauptsächlich in der Aufarbeitung von Unfallereignissen die besonders leicht verletzbaren Stellen am menschlichen Körper angeschaut, die beim Aufprall beschädigt werden können. Immer mehr Vorrichtungen zum Schutz solcher Stellen werden entwickelt und finden ihren Weg in die PKW`s und LKW`s auf dem Markt. Erst in jüngster Zeit ist in dieser Forschung und Entwicklung der Gedanke der Prävention aufgekommen. Konstruktionen, die Verhaltensveränderungen im Sinne der Unfallverhütung unterstützen, werden erprobt, entwickelt und auf den Markt gebracht.
Besonders wichtig bei der Erprobung solcher Konstruktionen im Sinne der Unfallverhütung ist derzeit der Gedanke der vollen Erhaltung der Selbstregulationsfähigkeit des Fahrers. Dazu gehört sein psychophysiologisches Selbstverständnis, sein Verständnis über seinen eigenen jeweiligen Standort in Raum und in der Zeit, seine Kraft und die körperlichen Ressourcen, auf welche er bei Dauerbelastung zurückgreifen kann, seine von diesem Selbstverständnis ausgehende Reaktionsfähigkeit und die Abschätzung der Gefahren, die aus seiner unmittelbaren Umgebung bedrohend auf ihn zukommen. In diesem Zusammenhang ist der Umgang mit den „Warn - und Wachposten seines Organismus”, den im indischen Yoga Marma genannten Organisationszentralen seiner Selbst - und Fremdwahrnehmung von eminenter Wichtigkeit.
Bewußtseinszustände sind in diesem Selbstverständnis verankert und der „Sekundenschlaf” am Steuer demgemäß kein „zufälliges Ereignis”. Das Grundprinzip der „körperorientierten Philosophie des Yoga”, welche auch die Grundlage für die ayurvedische Gesundheitswissenskunst liefert, ist nicht das losgelöste Verständnis des Menschen von sich selbst, das sich in einem reinen Res Cogitans oder einer reinen Vernunft in einer prä-stabilisierten Harmonie mit der Welt als „Bei - sich - Sein” im Verständnis seines eigenen „Beim - Andern - Seins” äußert. Die Relativität des Selbstverständnisses kommt in dieser „Körperphilosophie” als Bewußtsein vom Verhältnis zur Umwelt zum Ausdruck. Maschinen sind gestaltete Verhältnisse und nicht nur Gestelle im Sinne des Existentialismus, welche dieses Bewußtsein bei menschlichen Körpern, die sich in Bewegung befinden durchaus drastisch verändern und verstellen können.
Der physiologische Ausdruck solcher drastischer Veränderungen des körperlichen Selbstbewußtseins ist die Unfähigkeit sich selbst zu regulieren. Das am raum-zeitlichen Vor- und Selbstverständnis sich orientierende „Feedforeward - System”, das unsere Temperatur-, Appetit-, Muskelbewegungen und sogar unsere Langzeit - Zukunftsperspektiven entwirft, wird vom Feedbacksystem unserer Bewegung im Raum und in der Zeit verändert. Dimensionen verschieben sich bei starker Mobilität der sich selbstbewegenden Maschinen und das Verständnis für diese dimensionale Verschiebung liegt im Verständnis des Interface zwischen Mensch und Maschine, im Verständnis des Menschen für das Verhältnis seiner selbst zu seiner gestalteten Umwelt. Erst wo dieses Verständnis unterbunden wird, verliert der Mensch die innere und äußere Orientierung : Der „Unfall” ist vorprogrammiert.
Die Zusammenarbeit des Instituts für Gesundheitspädagogik mit der Autoindustrie hat in den letzten Jahren auch unser ohnehin recht umstürzlerisches Verständnis von Yoga und Ayurveda weiter präzisiert. Wir konnten durch langwierige Versuche feststellen, dass starke Mobilität im Raum eine Reihe von Selbstregulationsstörungen hervorrufen kann. Die Unfähigkeit der Fahrer, nach einer mehrstündigen Fahrt ein konstantes Körpergewicht zu halten, oder große Schwankungen bei der orthostatischen Regulation ihres Blutkreislaufs einzudämmen, und die Dehnfähigkeit ihrer Skelettmuskulatur in den Yoga-Asanas und die Stabilität ihrer Atem - und Kreislauffunktionen in Prana - yama zu demonstrieren, wird mittlerweile in komplexen Untersuchungsdesigns an mehr als 100 Probanden in mehr als 1000 Stunden Fahrzeit festgestellt. Eine weitere Erkenntnis haben die Ergebnisse eines Teils dieser Versuche gebracht, in welchen das Feedforeward - Feedbacksystem der menschlichen Lokomotion verstärkt durch Unterbrechungen wie durch „Stolpersteine” auf dem Weg irritiert wurde. Das führte bei Fahrten von längerer Dauer (zwei bis drei Stunden) sogar zur anhaltenden Erhöhung des Blutdrucks bei 11 der 15 untersuchten Autofahrer. Demnach ist es nicht unwichtig zu wissen, wie die maschinelle Konstruktion eine solche Verstärkung bzw. eine Verminderung der Irritation der Selbstregulationsfähigkeit des menschlichen Organismus erzeugt, um diese Irritation beeinflussen bzw. beseitigen zu können.
In der Arbeit von Yogalehrern in der Gesundheitsvorsorge nehmen diese aus der Unfallverhütung gewonnenen Kenntnisse eine immer zentralere Rolle ein. Die Ausbildung zum Marma-Yoga - Lehrer und zum Gesundheitspädagogen haben diese spezielle Prägung für den Einsatz in mobilen Wohn - und Arbeitsplätzen bekommen.
Es werden umfassende Informationsseminare mit Prof. Dr. Rocque Lobo zu neueren Ausbildungsrichtungen, möglichen künftigen Arbeitsplätzen und Einblick in die Arbeitsweisen des Marma-Yoga-Lehrers in der Unfallprävention angeboten.
Informationsmaterial für registrierte Besucher befindet sich demnächst im Download-Bereich
Seitenanfang