Arbeitsplatzgestaltung zur Gesundheitsförderung
Warum müssen wir uns heute in der betrieblichen Gesundheitsförderung stärker mit der Arbeitsplatzgestaltung beschäftigen?


Da ist zunächst die Forderung der Einhaltung des Prinzips des „dynamischen Sitzens” Anfang der 1990er Jahre und die in den letzten 15 Jahren bekannt gewordenen Nebenwirkungen und Risiken:

  • Bildschirmarbeitsplätze sind als mobile Arbeitsplätze zu betrachten.
  • Daraus ergibt sich ein Bedarf an Lösungsvorschlägen zur Kopplungsproblematik der orthostatischen Blutkreislaufregulation mit den sich ständig verändernden Situationen am Arbeitsplatz, wozu Angebote für die regelmäßige (stündliche) Entkopplung der Fingertätigkeit von der Augentätigkeit nötig sind - und
  • die Einbeziehung solcher neueren Angebote in der Form von Gerätschaften in die Arbeitsplatzgestaltung

Problem der Prävention/Bonusprogramme der GKV-Prävention:

Wenn die Wochenarbeitszeit verlängert wird (vielerorts ist dies schon geschehen), bedingt dies eine Kürzung der Freizeit und dies wirkt sich auf die Teilnahme an externen Abendveranstaltungen in der Gesundheitsvorsorge negativ aus. Ein Lösungsbeispiel: Die DEBEKA als private Krankenkasse mit Zusatzkonditionen arbeitet zur Zeit mit uns an Präventionsangeboten für Betriebsangehörige nicht außerhalb des Betriebs, sondern in der nächsten Nähe des Arbeitsplatzes.

Prävention/Gesundheitsvorsorge und Arbeitsplatzgestaltung 2004:

Seit 1986-wirbt die Worid Health Organisation (WHO) um die Anerkennung ihrer Ottawa-Charta in der Gesetzgebung der Industrie-Nationen. Präventionsgesetze z.B.§20 SGBV existieren seit 1987 in Deutschland. Im Rahmen der Reform des Gesundheitssystems sind sie stark erweitert worden. Vor Kurzem wurde die Kreierung einer gesetzlich verankerten Staats-Stiftung für Gesundheitsvorsorge und betriebliche Gesundheitsförderung verkündet, welche Projekte auf diesem Gebiet jährlich mit 50 Mio.Euro fördern soll. Alle diese Entwicklungen sind das Ergebnis der Bemühungen der WHO, die Arbeitgeber mit den Krankenkassen zusammenzubringen, damit nicht erst dann zusammengearbeitet wird, wenn die Krankheit schon ihren akuten Verlauf genommen hat sondern weit im Vorfeld, nämlich dort wo der Arbeitnehmer noch im vollen Besitz seiner Kräfte und noch in der Lage ist, selbstregulatorisch die Belastungen seines Arbeitsfeldes an seinem Arbeitsplatz bei voller Gesundheit zu bewältigen und gesund zu bleiben.

Diese Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Krankenkassen soll für alle drei Beteiligten kurz- wie längerfristig einen Vorteil bringen:

  • der Arbeitnehmer wird weniger krank,
  • der Arbeitgeber spart sich dadurch die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und kann auf die volle kreative Entfaltung der Leistung des Arbeitnehmers innerhalb seines Arbeitsverhältnisses zurückgreifen,
    und -
  • die Ausgaben der Krankenkassen für die Betreuung kranker Arbeitnehmer senken sich, weil die Arbeitnehmer nicht bei Bagatellerkrankungen sondern erst dann, wenn sie wirklich krank sind, die qualitativ höchsten Leistungen der medizinischen Betreuung für sich in Anspruch nehmen.


In den letzten Monaten ist sehr viel über die Strukturreformen im Gesundheitswesen in den Medien berichtet worden. Diese Reformen zielen auf dem Sektor der Prävention auf die Verbesserung der gesundheitsförderlichen Verhältnisse am Arbeitsplatz und dementsprechend auf Veränderungen des krankmachenden Verhaltens des Arbeitnehmers. Leider beobachtet man, dass in der Umsetzung der Reformgesetze nicht die nötigen Kraftanstrengungen unternommen werden, um die Gesundheitsvorsorge aus der Sphäre der Freizeitgestaltung in Sportvereinen, Fitnessclubs und Volkshochschulveranstaltungen in die Sphäre der betrieblichen Gesundheitsförderung zu transferieren. Es ist fraglich, ob die Art von Gesundheitsvorsorge, welche die gesetzlichen Krankenkassen derzeit durch ihre Bonushefte fördern, das Ziel der Reformgesetze noch im Auge haben.
Die Arbeitsplatzgestaltung wird erst seit den 1980er Jahren als Teilaufgabe auch der heutigen Gesundheitspädagogik gesehen. Seit 1986 habe ich dieses Fachgebiet an der FH-München im Fb-Sozialwesen vertreten. Ich möchte Ihnen heute einige Grundgedanken zu den Interaktionen zwischen den Verhältnissen am Arbeitsplatz und dem Verhalten des Arbeitnehmers vermitteln. Diese haben sich im Laufe der Forschung an und der technologischen Entwicklung der Einrichtungen der Arbeitsplätze der letzten dreißig Jahre als Leitlinien für unsere Arbeit herausgestellt und dienen sehr, die Grundidee der Gesundheitsvorsorge präzise umzusetzen. -

Das Prinzip des „dynamischen Sitzens”:
  1. Für die Büroarbeitsplätze wurde ähnlich wie für die Schule schon Ende der achtziger Jahre das dynamische Sitzen gefordert. Die Sitzfläche und die Rückenlehne sollten sich den Bewegungen der sitzenden Personen anpassen, d.h. nach links oder rechts, vome oder hinten kippen, wie der Arbeitnehmer bzw. Schüler von Zeit zu Zeit sein Gewicht verlagert, um seine Skelettmuskulatur unterschiedlich zu belasten und zu entlasten und dabei rundum besser zu durchbluten.
  2. Mitte der neunziger Jahre kam die Phase des Aktivierens und Massierens des Rückens hinzu, um die Optimierung der Durchblutung der Skelettmuskulatur zu gewährleisten. Diese Aktivierung konnte auf zweierlei Weise eingeleitet werden, mechanisch durch den Einbau von harmonisch schwingfähigen Schwingkörpern oder durch normale Federn in der Sitzfläche. Der Unterschied zwischen Schwingkörpern und Fedem besteht darin, dass die Federn direkt auf den Punkt, an welchen die Muskeln mit ihren Kraftmomenten ansetzen, reagieren, während die Schwingkörper eine größere Variabilität für den Transfer der Schwingung der vom sitzenden Menschen in Bewegung gesetzten Schwingelemente in Ebenen seines Körpers und damit in Systeme seiner Physiologie ermöglichen, die quer zur Ebene der momentanen Kraftentfaltung in den benützten Muskeln liegen.
  3. Es gibt auch elektrisch gesteuerte Massage-Einrichtungen, die versuchen, diese Variabilität, welche die mechanischen Schwingkörper ermöglichen, nach zu ahmen, indem sie mit Hilfe des regelmäßigen Aufpumpens von Luftkissen in der Sitzfläche oder Rückenlehne eine Massage der müden Muskeln vornehmen.

Es stellte sich jedoch heraus, dass nicht jede Art von Aktivierung unabhängig von der momentanen Arbeitsforderung des Arbeitsplatzes an den Arbeitnehmer und unbegrenzt über die vollen Arbeits-Stunden seines Arbeitstages ohne Pausen gesundheits-, konzentrations- und kreativitätsfördernd für den Arbeitnehmer ist.
Es stellte sich dabei auch heraus, dass eine nicht mit der momentanen Arbeitsanforderung synchronisierte Aktivierung auf Dauer zum gesundheitlichen Schaden für den Arbeitnehmer gedeihen könnte. Dies deswegen, weil eine solche zu den Augenbewegungen asynchrone Aktivierung der Skelettmuskulatur sich wie ein dauerndes Alarmsignal auf das Verteidigungszentrum (Defence Area) im Gehirn auswirkt, dadurch Spannung- und Stress erhöhend im Blutkreislauf, Blutdruck erhöhend und keineswegs die Kreativität fördernd sein kann.

Die Kopplungsproblematik biologischer Rhythmen an Bildschirmarbeitsplätzen:

Da nun seit Anfang der 1990er Jahre die Computer gestützten Arbeitsplätze immer mehr die Innenarchitektur z.B. der Banken und Sparkassen, der öffentlichen Gebäude der Verwaltung und auch der Forschung und Entwicklung in Betrieben revolutioniert haben, war es der Grundlagen-Forschung auf dem Gebiet der Gesundheitspädagogik ein Imperativum, die Auswirkung des dynamischen Sitzens auf diese Art von PC-gestreßten mobilen Arbeitsplätze einer näheren Betrachtung zu unterziehen und die Auswirkungen auf die Gesundheit zu erforschen.

Für die Augen des am PC arbeitenden Angestellten wirken Bilder auf dem Bildschirm bei der Erstellung eines Textes oder bei Eintragungen in einer Tabelle wie eine Fahrt mit dem eigenen Fahrzeug durch die Landschaft. Die Augen springen von oben nach unten von links nach rechts und die Finger gestalten die Objekte im Einklang mit den Vorgaben des Gehirns. Das optische System nimmt den oberen motorischen Trakt des corticomotoneuronalen Netzes stark in Anspruch.
Was passiert nun, wenn diese Arbeit aus irgendeinem Grund unter seelischem, zeitlichen oder Konkurrenz-Druck, Ärger oder Kampfeslust unternommen wird?
Es gesellt sich zu dieser Kopplung der kleinen Sakkaden und des Nystagmus des optischen Systems mit den corticomotoneuronalen Erregungen bis in die Fingermuskulatur hinein das unangenehme Kribbeln und Pochen im Blutkreislauf, welches vom Verteidigungsentrum im caudalen Bereich des Hypothalamus getriggert wird. Der Blutdruck und die Herzfrequenz steigen und die ganze Spannung wird sogar über das RVLM im verlängerten Rückenmark unter Mitspielung des Ischiasnervs in den unteren motorischen Trakt und an die Nieren übertragen. Sitzsysteme wie die vom Haider-Bioswing, welche Kopplungsmöglichkeiten der vom sitzenden Menschen selbstinduzierten Spannungsveränderungen in der Skelettmuskulatur der Beine mit niedrigen Schwingungsfrequenzen der Sitzfläche und Rückenlehne von etwa 3 bis 7 Hz ermöglichen, wirken wohltuend auf die Dämpfung der Angst-, Flucht- und Kampfreflexe, welche aus dem Verteidigungszentrum des Gehirns getriggert werden. Selbsttätige Oszillierungen oder Massage-Einrichtungen mit höheren Frequenzen (ab 15 Hz) dagegen steigern die Aktivität im Verteidigungszentrum. Dadurch erhöhen sie längerfristig die Anfälligkeit für Krankheiten.

Integration der Gerätschaften der Gesundheitspädagogik in den Arbeitsplatz:

Über den Einsatz von passiven Sitzflächen bei Bildschirm-Arbeitsplätzen brauchen wir hier nicht zu reden. Sie unterstützen den Organismus kaum bei den durch die Augen erzeugten Spannungen in der orthostatischen Blutkreislaufregulation und geben allein dadurch den Weg frei für eine Reihe von Krankheiten. Die Aufrechterhaltung der orthostatischen Blutkreislaufregulation ist sehr wesentlich in der Prävention einer Reihe von Krankheiten nicht nur des cardiovaskulären und Bewegungssystems. Sie ist wichtig für die Aufrechterhaltung eines gesunden und erholsamen Schlafs, für das respiratorische und auch das Verdauungssystem.
Um die Stabilität des orthostatischen Blutkreislaufsystems der Angestellten an PC gestützten Arbeitsplätzen aufrecht zu erhalten, ist es daher äußerst wichtig, Kopplungs- und Entkopplungsmöglichkeiten zwischen dem corticomotoneuonalem System und dem Verteidigungssystem unter Ausnützung der Tätigkeit des Neurotransmitters GABA am Arbeitsplatz zu ermöglichen. Bekanntlich werden Störungen in der Synthese, Speicherung und zeitlicher Ausschüttung dieses Neurotransmitters im Gehirn für eine Reihe von gesundheitlichen Störungen verantwortlich gemacht. Er ist der wichtigste Neurotransmitter bei der Entstehung des Traumzustands, in welchem er die Entkopplung der Motoneuronen des Rückenmarks von der Aktivität der Neuronen in der Hirnrinde ermöglicht; daher das Phänomen der Erweiterung der Dimensionen von Raum und Zeit im Traum, welches als kreative Höchstleistung des Gehirns bewertet werden muß.
Es ist dieser wichtige Neurotransmitter GABA, der bei der Entstehung von Bluthochdruck zu wenig im Gehirn synthetisiert wird. Nach dem heutigen Stand der Forschung versucht man den Aufbau dieses Neurotransmitters durch konstante leichte physische isotonische Anspannung in der Stütz- und Arbeitsmuskulatur aufzubauen. Sitzkonstruktionen mit dieser Art von konstanter Anregung zur isotonischen An- und Entspannung der Skelettmuskulatur im niederen Frequenzbereich von 3 bis 8 HZ haben durchaus an und für sich eine wohltuende, aufbauende Wirkung auf die Synthetisierung von GABA im Gehirn wegen der Unterstützung der Entstehung von PGO-Wellen aus der Brücke an der Basis des Gehirns. Gleichzeitige Arbeit am Bildschirm jedoch scheint diese Wirkung aufzuheben und bei Hypertonikern sogar die Tendenz zur Steigerung der Hypertonie zu verstärken. Demgemäß ersahen wir es als wichtig an, den eindeutigen Belastungseffekt des Bildschirmarbeitsplatzes auf den Blutkreislauf durch ein Zusatzangebot an Muskelfeedback vom Hand- und Fußgelenk aus anzubieten, zumindest für die 5 minütigen obligatorischen Pausen pro Stunde, welche von der EU-Norm ISO 9241 vorgesehen sind. Aus diesen Überlegungen heraus sind das Mudramanual® und das shake-spear-Aktivierungspedal® entstanden. Wir machen die Erfahrung mit diesen Geräten, dass sie das doch leisten, was wir mit ihnen beabsichtigten -nämlich eine wirkliche Behebung des Stresspotentials während der Arbeit. Ich möchte jetzt kurz auf die Gegenstände eingehen und auf ihren möglichen Einsatz während der Arbeit im Betrieb.