Zur Harmonisierung von Ausbildungen auf dem Gebiet der Gesundheitspädagogik


Zur aktuellen Forderung nach Gesundheitsvorsorge bedarf es neben der Bereitstellung von Mitteln auch die Möglichkeit dazu sowie gut und nach modernsten Standards ausgebildete Fachkräfte die Präventionskonzepte entwickeln und in der Prävention arbeiten. Um die Ausbildungsqualität dauerhaft zu gewährleisten, müssen diese Ausbildungsgänge in die bestehende Ausbildunglandschaft eingebunden und, um die nahtlose Zusammenarbeit sicherzustellen, miteinander harmonisiert werden.


Zunächst aus aktuellem Anlaß einen offenen Brief an den Chef der DEBEKA, Herrn Uwe Laue und an den Chef der IDUNA-Versicherung und Vorsitzenden des Verbandes der privaten Krankenversicherungen, Herrn Reinhold Schulte -

Sehr geehrter Herr Laue, sehr geehrter Herr Schulte,

am 26.8.04 präsentiert Frau Andrea Nahles (SPD) das Konzept der SPD-Linken den Führungsgremien der SPD zur gesetzlichen Verankerung der Einheitsbürgerversicherung. Unter dem Titel „Schritt zur Staatsmedizin” hat die Frankfurter Allgemeine in ihrer Sonntagsausgabe vom 22.08.04 Nr.34 ein kurzes Interview mit Ihnen, Herr Schulte gebracht. Als engagiertes Mitglied der DEBEKA und engagierter Hochschullehrer für Gesundheitspädagogik im größten Fachbereich für Sozialwesen der Fachhochschulen der Bundesrepublik möchte ich mich hiermit zu Wort melden und Ihnen Herrn Schulte und Herrn Laue den Rücken stärken in Ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der Einführung der Bürgerversicherung und dies nicht deswegen, weil ich die Probleme der arbeitenden „Kleinversicherten” nicht sehe, sondern gerade weil ich alternative Lösungen zu ihrer Bearbeitung vorschlage.

Allein aus der leidigen Erfahrung, die wir mit der Umsetzung des § 20 SGB V, des so genannten Präventionsparagraphen, durch die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen seit 2000 gemacht haben, sind wir zum Ergebnis gekommen, dass die Vereinheitlichung der Kriterien für die Bezuschussungspraxis der Krankenkassen von Maßnahmen der Primärprävention (und dies könnte man wahrscheinlich auch auf Maßnahmen der kurativen Praxis übertragen) den gesunden Wettbewerb in der Forschung und Entwicklung von Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung zum Erliegen gebracht hat. Symptomatisch für diese Vernichtung eines zukunftsorientierten Sektors des Gesundheitswesens ist die Beseitigung der Evidenzforderung für die Nachhaltigkeit der Maßnahme bei der Erlangung des Qualitätssiegels der gesetzlichen Krankenkassen für das von ihnen eingeführte Bonusprogramm „Healthmiles”. Zu lesen ist z.B. in Securvita Juli-August 2004 und in vielen anderen Broschüren der AOK, der DAK, der TKK und den BKKs ähnliches wie: „Machen Sie mit beim neuen Bonusprogramm. Trainieren Sie regelmäßig im Sportverein. Besuchen Sie einen Kurs im Fitness-Studio. Laufen Sie. Radeln Sie. Nehmen Sie an Yoga oder Tai Chi teil. Prima - das wird Ihrer Gesundheit sicherlich gut tun. Und es kann Ihnen Pluspunkte im neuen Healthmiles-Bonusprogramm bringen.”

Wir sind der Meinung, dass die Gelder des Risikostrukturausgleichs nicht für diese Art von „Luxus-Prävention”, wenn sie auch nur 0,5 bis 1.0% des jährlichen Budgets der gesetzlichen Krankenversicherungen ausmacht, ausgegeben werden dürfen, vor allem deswegen, weil sie keineswegs den Gruppen der Geringverdienenden z.B. an mobilen Arbeitsplätzen zugute kommen können. Bei der Erhöhung der Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich, der Lebensarbeitszeit (z.B. bei Flugpersonal) und des allgemeinen Leistungsstress durch Schichtarbeit und unregelmäßige Arbeitszeiten dieser Gruppen am Arbeitsplatz klingt es geradezu wie ein Hohn von ihnen zu verlangen, dass sie sich noch im Interesse der Erhaschung von Bonuspunkten an Healthmiles-Programmen beteiligen, welche noch dazu weit ab von ihrem Arbeits- oder Wohnplatz nur zu bestimmten Zeiten am Abend erworben werden können. Außerdem ist es keineswegs gesichert, dass diese Art von Präventionsmaßnahmen flächendeckend für alle Gruppen der Versicherten und damit auch längerfristig gesundheitsfördernd und krankheitsverhindernd für alle Gruppen von Arbeitnehmern sind.


Wir wissen, dass die privaten Krankenversicherungen, an erster Stelle die DEBEKA sich nicht für eine solche Art von „Luxus-Prävention” breitschlagen lassen und sind mit Mitarbeitern der DEBEKA dabei ein eigenes Konzept der Prävention, ausgehend von der soliden betrieblichen Gesundheitsförderung an mobilen Arbeitsplätzen für und mit den privaten Krankenkassen aufzubauen. Wir rechnen damit und hoffen, dass Sie einerseits standhaft Widerstand gegen die Vorschläge der politischen Vertretung der Arbeitnehmer leisten, welche letzten Endes sich vom eigentlichen Bedarf an betrieblicher gesundheitlicher Versorgung bei dieser Gruppe der Versicherten abgekoppelt hat und den Anschein erweckt, nur noch Gesundheit aus dem Planungsrat von Gesundheitsökonomen beurteilen zu können. Andererseits hoffen wir auf Ihre Unterstützung bei der Entwicklung von neuen Konzepten für die Prävention besonders für die Gruppen von Geringverdienenden, bei welchen solche Maßnahmen besonders sorgfältig und differenziert auf die Belastungen ihrer Arbeitsplätze ausgerichtet werden sollen. Es kann nicht und soll nicht das Argument gelten, dass die Ablehnung der Bürgerversicherung gleich zu setzen ist mit einer unsolidarischen und individualistischen Einstellung zur Gesundheitsvorsorge. Hier könnten die privaten Versicherungen sicherlich eine im Sinne des gesunden Wettbewerbs Maßstäbe setzen, welche einige verkrusteten Vorstellungen bezüglich der Zukunft der Krankenkassen auf beiden Seiten in Bewegung brächten. Sowohl eine Abschaffung der gesetzlichen als auch der privaten Krankenversicherungen dürfte unrealistisch sein. Harte Positionen jedoch werden in der Politik offensichtlich bezogen, um verkrustete Strukturen in Bewegung zu bringen.

Prof. Dr. Rocque Lobo