Kriterien für die Akkreditierung der Ausbildungen von Fachkräften der psychosozialen Versorgung zur Übernahme der Leitung der Durchführung von Maßnahmen der primären Prävention
Präambel

Diese Kriterien kristallisieren sich als Problemlösung aus der derzeit konfliktbeladenen Bezuschussungspraxis der Krankenkassen heraus bei der Erstellung eines Katalogs der von ihnen anhand der gemeinsamen Erklärung ihrer Spitzenverbände zur Umsetzung vom § 20 SGB V vom 21.06.2000 unterstützungsfähigen Maßnahmen.

Es ist nicht zu leugnen, dass die Neuformulierung des § 20 SGB V der Jahre 1998/1999 mit Inkrafttretung vom 01.01.2000 den Bedarf an Angeboten auf den Sektoren Fitness, Wellness, Gesundheitsförderung und Präventologie enorm verstärkt hat. Der "Kunde", "Klient" und "Für-Sich-Inanspruchnehmer" solcher Veranstaltungen hat ein Recht auf sachliche Aufklärung als Entscheidungshilfe bezüglich der Qualität der jeweiligen Maßnahme, bevor er sie einkauft. Die bisherigen Garanten für Qualität, das sind die Anbieter der Maßnahmen, befinden sich selber im Konkurrenzkampf um ihre Kunden und sind dadurch allein befangen in der Aufstellung ihrer Qualitätskriterien. Einer Qualitätssicherung, die auf der Grundlage solcher zweifelhaft aufgestellten Qualitätskriterien aufgebaut ist, haftet von vorneherein der Anschein der Willkürlichkeit und Fragwürdigkeit an. Der Arbeitskreis Prävention und betriebliche Gesundheitsförderung des Instituts für Gesundheitspädagogik hat einen unabhängigen Sachverständigenrat gebildet, in welchem Vertreter der renommiertesten Privatkrankenkasse, der DEBEKA, der BMW- Betriebskrankenkasse, der Forschung und Entwicklung von Gesundheitsprodukten, Ärzte, Apotheker, Gesundheitspädagogen, Physiotherapeuten, Krankenschwestern und -pfleger und Klienten, die an mobilen Arbeitsplätzen arbeiten, den Versuch zu unternehmen, durch die Aufstellung von soliden Kriterien zur Überprüfung der Wissenschaftlichkeit der Methodik und der technologischen Transferierbarkeit der Angebote in das Setting des industriellen Alltags der arbeitenden Bevölkerung und ihrer Familien einerseits, den Krankenkassen (vor allem zunächst den Privaten) in ihrer Bezuschussungspraxis konstruktiv zu unterstützen, andererseits ihren zahlenden Mitgliedern eine Leitlinie in der Überprüfung der Transparenz der gemachten Ausgaben durch die Krankenkassen zu liefern.

Kriterien zur Überprüfung der Ausbildung

  1. Ausrichtung auf Primärprävention

  2. Lernziele-Präzisierung im Rahmen der Diskussion "Setting-Ansatz" im Dialog mit
    "individuellem Ansatz" d.h. Verhaltensänderung im Rahmen bestehender evtl. auch
    "schlechter” , krankmachender “Verhältnisse" oder Konsequenzen von Verhältnis-
    Veränderungen für das Erlernen gesundheitsförderlichen Verhaltens oder Tests der
    Störung von gesundheitsförderlicher Selbstregulation in belastenden Situationen durch
    Behebung der Störfaktoren z.B. Verhältnisänderungen zur Unfallverhütung

  3. Wissenschaftliche Ausrichtung bei der Festlegung der curriculären Lernziele der Ausbildung


  4. Bezogen auf die Ausrichtung der Primärprävention auf Verhaltens- oder Verhältnisprävention wird gefragt, ob eine wissenschaftliche Beweisführung für die Relevanz des Ausbildungsziels im Rahmen der Diskussion über die kurzfristige Senkung der Morbidität im Falle von Bagatellerkrankungen (Arbeitsausfall) oder der längerfristigen Senkung der Mortalitätsrate bei Zivilisationskrankeiten gegeben ist.

  5. Verwendete Methoden zur Erlangung der Lernziele

  6. Wie finden beispielhafte Transfers der Methoden in unterschiedlichen Settings für unterschiedliche Zielgruppen statt? Hier geht es nicht nur um Altergruppen. Die Güte der Ausbildung wird gemessen einerseits an der Zahl der behandelten Transferbeispiele und vor allem an der wissenschaftlichen Ausleuchtung der Spezifität des Transfers wegen der Spezifität des Settings und seiner Störfaktoren der gesundheitsförderlichen Selbstregulation.

  7. Adäquater Einsatz von Lernhilfen, Medien und Übungsinstrumenten für die Alltagspraxis

  8. Die Güte des Einsatzes von Lernhilfen, Medien und Übungsinstrumenten für die Alltagspraxis wird evaluiert nach ihrer Effizienz in der Unterstützung der Rahmen der Kriterien 1 bis 3 der Ausbildung. Besondere Aufmerksamkeit wird gerichtet auf Verfremdungseffekte durch Medieneinsatz und auf den Abbau der Entfremdung bei der Erlangung der Lernziele wird Wert gelegt. Es werden die Forschungsergebnisse der Träger der Ausbildung berücksichtigt, auf welche der Rahmen der Kriterien 1 bis 4 sich stützen.

  9. Adäquate Ausrichtung der Studienzeit bis zur Abschlussprüfung und Ausrichtung der Prüfung auf die Erlangung der nötigen Selbstreflexion bei Mediatoren auf dem Gebiet der Primärprävention, die sich grob als Hilfe zur Selbsthilfe versteht.

  10. Prüfungen können demnach bei der Akkreditierung der Ausbildung nicht als Veranstaltungen zur Abfragung erlernten Wissensstoffs bewertet werden. Sie müssen die Transferfertigkeit des Prüflings in das jeweilige Setting und im Umgang mit unterschiedlichen "krankmachenden” individuellem Verhalten unter Beweis stellen.